Kugeln für die Queen
 

 

 

 

Fertig:

2001

Kugeln

 

 

Happy End

   
   

…und sie tat es doch…

Fast ein Jahr nach der ersten Pressemitteilung erreichte uns nun das Dankesschreiben aus dem Hause Windsor.

 

 

Auch wenn man sich dort für die Glaskugeln aus Coburg bedankt, so komme ich nicht umhin, noch einmal richtig zu stellen, dass ihr Ursprungort nicht Coburg, sondern das thüringische Lauscha, mit der dort ansässigen Berufsfachschule Glas, ist.

 

 

 

 

Aber nichtsdestotrotz, wir sehen über diesen königlichen Fehler mal hinweg, denn ohne den royalen Coburger Baum, hätte es keine royalen Lauschaer Kugeln für die Queen gegeben.

   

 

09. Dezember  2016

   

28 Tage schon schmücken unsere Kugeln den königlichen Weihnachtsbaum vor dem Windsor Castle, nicht wie anfangs geplant vor dem Buckingham Palast. Aber dieser geringfügige Ortswechsel tat unserem Projekt genauso gut. Vielleicht sind es mittlerweile nicht mehr ganz 1010 Kugeln, die am Baume hängen. Da es für sie sehr anstrengend sein muss, dem stürmischen  englischen Wetter paroli zu bieten, geht schon mal einer die Puste aus.

 

Jedenfalls hatten wir es mit viel Eifer, Engagement und Unterstützung vor Ort doch tatsächlich geschafft, den gläsernen Baumbehang in nur zwei Tagen anzubringen. „Im Auftrag Ihrer Majestät“ luden wir Kartons voller Kugeln in die beiden Steiger, fuhren mit ihnen bis zu 10 Meter in luftige Höhen und brachten sie dort sicher, ganz sicher, an. Mit den leeren Kartons ging es wieder nach unten und weiter ging es mit dem Bäumchen-schmück-dich-Spiel. Radio und Fernsehen waren dabei unsere ständigen Begleiter, auch bis hoch hinaus.

 

 

 

 

Ca. 3000 Menschen waren mit dabei, als am 19. November um 17:30 Uhr Ortszeit der Weihnachtsbaum umrahmt von Windsor Castle und der Statue von Queen Victoria beleuchtet wurde und auf seine Art sowohl märchenhaft romantisch als auch weihnachtlich glänzend erstrahlte. Auch wenn ich sonst nicht so bin, ein bisschen Sentimentalität muss an einer solchen Stelle eben mal sein.

Unser „Auftrag im Dienste seiner Majestät“ war damit geschafft und glanzvoll beendet worden.

   

 

 

 

…Aber sollte der fertige Baum wirklich das Ende unseres Weihnachtsmärchens sein? Wir jedenfalls dachten es. Aber falsch gedacht! Durch die großartige Medienpräsenz, die wir in den letzten Monaten genossen, waren unsere Kugeln für die Queen zu einem Kassenschlager geworden. Tagtäglich gingen und gehen bei uns telefonisch Anfragen ein, ob man eine solche Kugel käuflich erwerben kann. So leid es mir an dieser Stelle tut, das zu sagen. Die Herstellung der Kugeln für die Queen ist beendet. Wir hatten nur eine limitierte Anzahl von Kugeln zum Verkauf angeboten und diese sind bereits an den Mann oder die Frau gebracht.

PS: Seit Tagen schon werde ich netterweise von meinen Kollegen darauf aufmerksam gemacht, doch endlich wieder unser Queen-Tagebuch aufzuschlagen und die Geschichte fortzuschreiben. Das Happyend fehlt noch, dröhnte es immer wieder mal in meinen Ohren, zur Erinnerung. Also machte ich mich heute an die Arbeit. Denn seit fast zwei Stunden liegt links neben mir auf meinem Schreibtisch eine Schokopraline. Ich darf sie erst vernaschen, wenn ich mit dem Schreiben fertig bin. Und jetzt glaube ich, ist es soweit…Mmmh, sehr lecker Herr Kob.

   

 

10. November  2016

   

…bloß VORSICHT meine Herren, dachten alle, als wir sahen, wie unsere wertvolle Fracht zunächst verstaut wurde. Ich gebe zu, ein brauner, handelsüblicher Karton, verdient es üblicherweise nicht unbedingt, behutsam behandelt zu werden. Wenn aber dieser braune, handelsübliche Karton mit der Mühe unserer monatelangen Arbeit (so lange stellen wir schon Kugeln für die Queen her) gefüllt ist, dann ist dies kein gewöhnlicher Karton mehr, sondern etwas ganz Besonderes, das einfach mehr Respekt, Rücksicht und Feingefühl verdient. Es täte mir für die vielen königlichen Kugeln leid, wenn nicht alle den weiten Weg nach London überleben und den royalen Baum schmücken dürften.

   

   

 

08. November  2016

   

 

Ende gut, alles gut!

Völlig überraschend erhielt ich heute einen Anruf, einen überaus erfreulichen Anruf.

Die Handwerkskammer Südthüringen spendiert 1.000 €, um es zwei Schülern unserer Schule zu ermöglichen, mit nach England zu fliegen.

Danke, danke, danke.

Es fällt uns ein Stein vom Herzen.

   

 

06. November  2016

   

Heute hatten wir Besuch eines Ausbilders der Firma „Kaeser Kompressoren“ und einer Auszubildenden. Beide hatten sich bei uns angemeldet, um sich mit eigenen Augen davon zu überzeugen, dass der von ihnen angefertigte Aluminium-Stempel für das Coburger Wappen einwandfrei funktioniert. Alle fachlichen Bedenken, dass das Aluminium doch schmelzen muss, wenn das heiße Glas damit in Berührung kommt, konnten bei einer kurzen Vorführung aus dem Weg geräumt werden.

   

 

27. Oktober  2016

   

Ich habe bisher noch keine größere Christbaumspitze gesehen als diese, die Herr Horn mir heute stolz präsentierte.

Ein echtes Meisterstück, ohne Zweifel!

Und prompt war ich schon ins vermeintliche Fettnäpfchen getreten, denn meine erste Längenschätzung lag bei 60 cm. Ein kurzer Blick zu meinem Kollegen reichte schon, um zu wissen, dass ich mich wohl oder übel verschätzt hatte.

Ganze 90 cm ist sie hoch.

Und nicht nur das: sie ist einzigartig und einmalig zugleich, denn es gibt keine zweite davon!!

Und das heißt wiederum für uns: sicher verpacken, nein: sicherer verpacken und das reicht auch noch nicht: am sichersten verpacken.

Denn wie sähe ein Weihnachtsbaum vor dem Windsor Castle nach Thüringer Tradition ohne passende Spitze aus?!

 

 

 

   

   

 

2. September  2016

   

Was macht eine Kugel für die Queen zu etwas ganz Besonderem? Diese Frage wollte und wollte mir nicht aus dem Kopf gehen. Ich fand den Gedanken, dass unsere Kugeln für die Queen so was Einzigartiges haben müssten, unwiderstehlich. Und so allmählich fügte sich eine Idee an die andere: …ein Zeichen wäre nicht schlecht…, …aber welches?..., …und wie auf die Kugel bringen?...Unser Lehrerzimmer war voller Vorschläge. Am reizvollsten fand ich dann doch die Verwendung eines Stempels. Blieb nur noch die Frage, was wollen wir ins Glas stempeln? Und da hatte ich die Idee. Schriftstücke   waren in früheren Zeiten nur echt mit einem Siegel, das   in Wachs gedrückt wurde. Also warum nicht das Wappen des Landkreises Sonneberg, zu dem wir nun mal gehören, ins das Glas bringen? Ich machte mich auf die Suche und fand in Herrn Bartsch vom Kronacher Werkzeugbau einen Ansprechpartner, der vom Kugelblasen und erst recht von der Herstellung eines Glasstempels keinerlei Ahnung hatte, mir aber gerne weiterhelfen würde, wenn es denn ginge. Und es ging. Es dauerte nicht lange und Herr Horn konnte die ersten Kugeln für die Queen mit einem Wappenstempel des Landkreises Sonneberg versehen. Ja und wenn man sich die Kugeln mal näher betrachtet, dann ist jede von ihnen wirklich einzigartig.

Ps: Lieber Herr Bartsch, die ersten Wappenkugeln sind fertig und 3 davon auf dem Weg in Ihre Ausstellungsvitrine im Kronacher Werkzeugbau. Nochmals herzlichen Dank für Ihre unkomplizierte Unterstützung unseres königlichen Großprojektes.

   

 

27. Mai 2016 - Anlieferung von 200 Kartons

   

Kürzlich sprach mich Herr Horn, unser „master of   blowing christmasballs“ an, um mir mitzuteilen, dass nunmehr alle noch vorhandenen Kartons bereits mit Kugeln für die Queen aufgebraucht sind, und wir dringend welche benötigten, wollten wir mit der Produktion fortfahren. Also wandte ich mich wieder kurzerhand an Frau Zitzmann, die sofort zum Telefon griff und sämtliche Firmen im Landkreis Sonneberg daraufhin ansprach. Es dauerte keine 2 Wochen, da erhielt ich aus dem Landratsamt Sonneberg die Mitteilung, dass die Firma Sonneberger Kartonagen 200 große, stabile Kartons zu einem symbolischen Wert von 1 Euro anliefert.

Der „master of blowing christmasballs“  zeigte sich sichtlich zufrieden, als er diese an dem von ihm angewiesenen Platz vorfand.

Ps: Hallo Herr Hausdörfer, nochmals vielen Dank für die schnelle und unkomplizierte Lieferung.

   

 

26. Mai 2016 - 2. Pressetermin

   

Heute ist der vorletzte Schultag von Cornelia. Wie ich bereits erwähnte, wird sie in einem Monat ihre Ausbildung als Christbaumschmuckgestalterin hier an unserer Schule beenden. Doch zuvor darf sie noch einmal zeigen, wie man auch große Christbaumkugeln bläst.
Fernseh- und Radioteams waren heute nämlich zu uns eingeladen worden, um über die Herstellung der Kugeln für die Queen zu berichten. Im Voraus gab es als motivierenden Dank bereits heißen Kaffee und frischen Kuchen, den unsere Landrätin, Frau Zitzmann, den Presseleuten spendierte. In geselliger Runde, so hatte ich den Eindruck, ließ es sich auch viel besser reden.

Es wurde gefilmt, gefragt, geschnitten.

   

   

 

25. Mai  2016

   

Dass die Motivation für seine Aufgabe bei Herrn Horn groß ist, zeigte sich einen Tag vor dem 2. Pressetermin. Wie jeder weiß, gehört auf einen Weihnachtsbaum auch eine Weihnachtsbaumspitze. Aber wie groß muss diese sein? Da gibt es eigentlich nur eine Antwort, so groß wie es nur irgendwie geht. Angestrengt und mit vollster Konzentration wagte sich Herr Horn an seinen ersten Versuch. Die Freude war riesengroß. Die Spitze war fertig, hielt und kühlte gerade ab, als dann doch das unerwartet Erwartete geschah. Die Christbaumspitze platzte.

   

 

19. Mai  2016

   

Es ist jedem völlig klar, dass man mit der Herstellung von 2000 Kugeln nicht erst im Herbst beginnen kann, wenn sie zum ersten Advent den Weihnachtsbaum vor dem Buckingham-Palast schmücken sollen. Also war es eine meiner ersten Aufgaben, schon jetzt den Startschuss für die Herstellung zu geben. Als Bereichsleiterin tut Frau sich gut, diejenigen damit zu beauftragen, die sich hier bestens auskennen. Und das ist nunmal unser Christbaumschmuckmeister Günther Horn. Ihm obliegt es in den kommenden Wochen und Monaten dafür zu sorgen, dass genügend Kugeln für die Queen den Transport nach London antreten können.

Gemeinsam mit den Lehrmeistern Jürgen Kob und Uwe Rauschardt sowie den Schülern werden nun schon die ersten Kugeln aufgeblasen. Ich muss ehrlicherweise zugeben, dass mein Beitrag in dieser Hinsicht äußerst gering ausfällt, eigentlich ganz und gar, da ich selbst keine Glasbläserin bin. Dafür beherrsche ich das Versilbern. Also war kurzerhand mein Vorschlag an Herrn Horn, diesen nicht weniger schwierigen Teil der Herstellung mit zu übernehmen. Mindestens 10 Kartons mit Glaskugeln, die einen Durchmesser um die 20 cm hatten, standen schon bereit. Ich musste nur noch loslegen. Schürze,  Handschuhe waren angelegt, ich nahm die erste Kugel in die Hand, füllte das Silbernitrat und die Reduktionslösung ein, prüfte durch Schwenken der Kugel, ob ich genug eingefüllt hatte, machte zwei Schritte nach rechts zum Bottich mit dem heißen Wasser und…Die Kugel ließ sich nicht, wie gewohnt, in das heiße Wasser eintauchen. Zu viel Luft, dachte ich, die großen Kugeln fassten zu viel Luft, sodass das Eintauchen in das Wasserbad unmöglich war. Herr Horn wusste das natürlich schon und hatte vorausschauend, wie er ist,   einen Becher bereit gestellt, mit dessen Hilfe ich die Kugel mit dem heißen Wasser übergießen konnte.

 

Von nun an ging alles wie geschmiert: Glaskugel in die linke Hand nehmen … mit der rechten Silbernitrat und Reduktionslösung einfüllen …Kugel mit der rechten Hand fassen und schwenken …zum Wasserbottich laufen, dabei immer weiter schwenken …den Becher mit der linken Hand greifen und mit Wasser füllen …die noch immer geschwenkte Kugel mit dem heißen Wasser übergießen, bis sie golden ist. Prima. Jetzt nur noch die Kugel leeren …außen abspülen und zum Trocknen auf das Nagelbrett stellen. Fertig.

   

 

29. April 2016

   

Ich hatte alle Lehrer und Schüler der BFS Glas gebeten, sich nach der Frühstückspause im Raum 3 einzufinden. Ich wusste ja schon aus eigener Erfahrung, dass bestimmte Nachrichten einer gewissen Magenfülle bedürfen und beugte vor.

Spannend versuchte ich meine Rede anzugehen und fragte so in Witzmanier in den Raum hinein, was wohl die Queen von England und wir gemeinsam haben? Ich gebe zu, eine etwas seltsame Frage. Da keiner, wie erwartet, eine Antwort fand, kam ich so allmählich auf die gestrige Pressekonferenz zu sprechen. Ich zeigte, erklärte und schmückte die wahr gewordene Tatsache aus, dass ihr und wir, eben alle zusammen, die ehrenvolle Aufgabe übernehmen, in diesem Jahr 2000 Kugeln für die Queen herzustellen.

Die Begeisterung war groß und ich hatte das Gefühl, den Schülern und Schülerinnen ging es ähnlich wie mir, als ich davon erfuhr. Lose Gedanken flattern da in den Kopf und brechen vereinzelt akustisch aus. Satzfragmente wie …mitkommen, …anhängen, …oh schade schwirren dann durch den Raum.

Das „oh schade“ konnte Cornelia, Auszubildende im 3. Lehrjahr zur Christbaumschmuckgestalterin, nicht unterdrücken. Ihr war sofort klar, dass sie ja dieses Jahr im Juni ihre Ausbildung beenden wird, und sich somit an der Herstellung der Glaskugeln nicht mehr beteiligen kann. Warten wir einmal ab, Cornelia.

   

 

28. April 2016 - 1. Pressekonferenz

   

Dann der Termin im Landratsamt: Frau Zitzmann hatte Herrn Werner, den Schulleiter der SBBS Sonneberg, und mich zu einem kurzen Gespräch eingeladen.

Ich hatte schon so eine Ahnung. Und wirklich, Frau Zitzmann offerierte uns, morgens um 8 Uhr, auf fast nüchternen Magen, dass unsere Berufsfachschule Glas die ehrenvolle Aufgabe erhält, die Kugeln für die Queen herzustellen. Alle waren wir uns einig, dass es etwas Vergleichbares wie diese königlichen Kugeln nicht wieder geben wird und waren unfassbar begeistert. Und obwohl ja noch nichts weiter feststand, als dass wir etwas machen, was wir sonst auch tun, nämlich Glaskugeln blasen, rückten unsere Gedanken schon in die Zukunft. „Eine bessere Werbung und Wertschätzung unserer Berufsfachschule können wir nicht bekommen“, sagte Frau Zitzmann, dachten wir alle. „Wir sehen uns dann heute Nachmittag in Coburg zur offiziellen Pressemitteilung.“

   

Und so war es   auch. Pünktlich um 16 Uhr gaben Prinz Hubertus von Sachsen-Coburg und Gotha, Frau Dr. Weber, 2. Bürgermeisterin der Stadt Coburg, stellvertretend ich, Romy Steiner, Bereichsleiterin der Berufsfachschule Glas Lauscha sowie Frau Zitzmann, Landrätin des Landkreises Sonneberg, bekannt, dass es in diesem Jahr vor dem Buckingham-Palast einen Coburger Weihnachtsbaum mit Lauschaer Glaskugeln geben wird.

   

 

26. April 2016

   

Was vorher geschah:

Es war kaum 2 Wochen her, als ich von Frau Zitzmann, unserer Landrätin, einen hoch geheimen Anruf erhielt. Wenn ich mich recht entsinne, war ihre erste Frage, ob wir es schaffen könnten, Kugeln für einen 13 Meter hohen Baum zu fertigen. Es wäre eine sehr majestätische und ehrenvolle Aufgabe, sagte sie. Sofort ratterte es in meinem Kopf: 13 Meter, wie viele Kugel bräuchten wir da und welche Größe? Können wir als Schule so etwas überhaupt bewerkstelligen? Zweifel, die irgendwie bei diesen Gedanken aufkamen, verflogen spurlos, als sie eher beiläufig erwähnte, dass diese Kugeln den diesjährigen Weihnachtsbaum vor dem Buckingham-Palast in London schmücken sollen. Ich würde sie schon richtig verstehen.

In diesem Moment bestand eigentlich keine Wahl mehr, ihr Anliegen mit Ja oder Nein zu beantworten. Am Telefon sprudelte es aus mir heraus: „Frau Zitzmann, das können wir schaffen“, antwortete ich prompt. Sie bedankte sich mit dem Hinweis, sollte ich nichts mehr von ihr hören, hätte sich die Angelegenheit erledigt.

   

 

 

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